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Guter Ruf als Kapital - 50 Jahre Stiftung Warentest

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Muttis Moulinette, Vatis Stereoanlage oder die Mofa vom Junior – über Jahrzehnte haben wir kaum eine größere Anschaffung getätigt, ohne uns vorher im „Testheft" schlau zu machen. Und kam heraus, dass die billige Antifaltencreme den Job am besten erledigt, gab es wahre Massenanstürme bei den Discountern.

Wir alle haben wohl schon mal ein Produkt in der Hand gehabt und uns gefragt, was wohl die Stiftung Warentest dazu gesagt hat. Grund genug, dieser durch und durch deutschen Institution zum Jubiläum zu gratulieren.

Hier finden Sie das erste Heft zum Download.

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Stiftung Warentest in 100 Sekunden

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Nach mehrjähriger Vorbereitung im Bundeswirtschaftsministerium verkündet Bundeskanzler Konrad Adenauer die Absicht der Bundesregierung, ein neutrales Warentestinstitut zu gründen.
Im Rahmen der Haushaltsberatungen nimmt das Parlament am 2. Dezember 1964 den Antrag des Wirtschaftsausschusses über die Errichtung einer Stiftung mit dem Namen Stiftung Warentest, Sitz: Berlin, zustimmend zur Kenntnis — und zwar einstimmig.

Zwei Tage später, am 4. Dezember, errichtet Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker die Stiftung Warentest und gibt ihr die erste Satzung — Stifterin und Satzungsgeberin ist damit die Bundesrepublik Deutschland.

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Kaum ein Produkt für Haushalt und Freizeit wurde noch nicht von ihr untersucht. Sogar Schreckschusswaffen, Sexualtonika und aufblasbare Schlitten durchliefen die Prüfprogramme der Stiftung Warentest.

In den 50 Jahren, die folgten, erwarb sich die Stiftung mit ihrer Arbeit ein hohes Ansehen und die Marktführerschaft im „Testgeschäft". Letztere muss sie jetzt verteidigen gegen wachsende Konkurrenz im Internet.

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Zu Beginn kam die Stiftung mit jährlich zwei Millionen Mark jährlich aus. Die Bedeutung der Stiftung Warentest wuchs mit ihrer Leserschaft. Die verkaufte Auflage des werbefreien Magazins „Test" stieg im Jahr nach der Wiedervereinigung auf fast eine Million Exemplare.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Kritik an der Arbeit der Tester wird lauter als früher geäußert. Mehr oder weniger unabhängige Internet-Portale veröffentlichen kostenlos Prüfberichte, Kundenbewertungen und Preisvergleiche.

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Die Arbeit der Stiftung (Teil 1)

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Im Rückblick erkennt Stiftungsvorstand Hubertus Primus auch Fehler in Bewertungen. 1998 wurden Rollstühle nicht gründlich genug getestet. 2002 musste Stiftung Warentest einen Rechenfehler bei der Untersuchung von Riester-Rentenprodukten korrigieren. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr verlor sie im September vor Gericht einen Streit mit dem Schokoladenhersteller Ritter Sport. Es ging um eine angeblich irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas. Der gute Ruf, das Kapital der Warentester, hat unter dem Rechtsstreit gelitten.

Allerdings sind solche Prozesse die Ausnahme. Nach wie vor gibt es nach Worten von Primus keinen einzigen Fall, in dem die Stiftung wegen einer Testbeurteilung Schadenersatz habe zahlen müssen. Die Prüfstandards hätten sich bewährt, die Zusammenarbeit mit Laboren im In- und Ausland auch.

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Dennoch begehren Unternehmen gelegentlich gegen schlechte Beurteilungen auf. So zweifelte die Spielwarenindustrie Ende 2013 die Messergebnisse einer Untersuchung von Holzspielzeug an. Ein Jahr zuvor hatte es Ärger um Spuren von Mineralöl in Schokolade aus Adventskalendern gegeben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hielt das Gesundheitsrisiko für nicht so groß wie die Stiftung Warentest.

Das Beispiel zeigt eine Schwierigkeit der gemeinnützigen Organisation: Sie muss einerseits seriös und glaubwürdig auftreten, zugleich aber auch Eigenwerbung mit manch spektakulärem Testergebnis betreiben. Denn ihre Magazine „Test" und „Finanztest" sorgen für mehr als zwei Drittel ihrer Einnahmen. Seit Jahren sinken die Auflagen auf zuletzt 430 000 „Test"-Exemplare und 220 000 „Finanztest"-Hefte.

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Die Arbeit der Stiftung (Teil 2)

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Auch deshalb rutschte die Stiftung 2012 in die roten Zahlen. Im vergangenen Jahr stand unter dem Strich wieder ein Überschuss von einer Million Euro, dank einer kräftigeren Finanzspritze aus dem Stiftungskapital und weil das Geschäft im Internet in Schwung kommt. Inzwischen trägt test.de rund zehn Prozent zum Umsatz bei.

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In den 50 Jahren des Bestehens kam es zu einigen ungewöhnlichen Tests und Testergebnissen, die den Lesern so manches Schmunzeln entlockt haben.

Einige kuriose Test stellen wir nun vor ...

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Nur ein getesteter Reizgasrevolver erhielt 1974 die Note „Gut". Die große Gaswolke einiger Pistolen brachte den testenden „Angreifer" selbst in Gefahr.

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Umbaupausen, Service und Akustik gehörten 1980 zu den Kriterien dieses Tests. Fazit: Manche Pop-Konzerte sind kein Genuss.

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Kuriose Kamera-Oldies

Historische Produkte im Alltagsstressextremtest

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Auch professionelle Vermittler taugen nichts. Das stellten Mitarbeiter der Stiftung 1984 im Selbstversuch fest.

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Testpersonen ließen sich 1987 individuelle Geburtshoroskope erstellen. Sie kamen den Psycho-Tricks der Branche auf die Schliche.

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Tippen ohne Tablet

Historische Produkte im Alltagsstressextremtest

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In den 1995 geprüften Beratungsgesprächen zu Brustimplantaten verharmlosten Ärzte die Risiken. Für die Tester ergab sich „ein düsteres Bild einer so schillernd erscheinenden Welt".

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Alle geprüften Produkte waren „gut", kein einziges „befriedigend"...

Im Techniktest überzeugten die Latex-Häubchen 2009: Sie platzten erst nach mehr als 30 Litern hineingepumpter Luft.

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„Das wichtigste Projekt für uns ist der Ausbau des Internetangebots", sagt Stiftungsvorstand Hubertus Primus. Die interaktiven Produkt-Datenbanken würden ständig erweitert. Die Verbraucher wollten stets Testergebnisse auf dem neuesten Stand. Die Datenbanken gibt es etwa für Matratzen, Waschmaschinen, Fernseher, Handys und Tablets. Der Zugang kostet die Interessenten kleine Euro-Beträge.

Bei allem Wandel wollen die Warentester aus Berlin an einem festhalten: Die altmodischen Schulnoten für Produkte und Dienstleistungen von „sehr gut" bis „mangelhaft" werden bleiben.

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